Praktikumsbericht von Benita Belz

Von Beginn an beteiligt sich Klaus-Peter Bachmann an der Veranstaltungsreihe
"Schüler begleiten Abgeordnete". Zahlreiche junge Leute konnten sich in den letzten
Jahren im Rahmen des jeweils einwöchigen Programms über seine Aktivitäten im
Landtag und in der Stadt Braunschweig informieren. Hier bei einem Treffen im Landtag:
von links - Klaus-Peter Bachmann MdL, Matthias Stoffregen (SPD Braunschweig, Webmaster von Klaus-Peter Bachmann), Benita Belz, 12. Klasse der HvF in
Braunschweig (Politik-Leistungskurs) und der SPD-Fraktionsvorsitzende im Landtag
und Kandidat für das Amt des Ministerpräsidenten Wolfgang Jüttner MdL.

Praktikumsbericht von Benita Belz

Gedanken zu meinem Praktikum

Von Benita Belz, 18 Jahre.

"Schüler begleiten Abgeordnete" - interessant!
Wo? Wie? Wann? Das will ich machen!
Ich habe mir zunächst gar keine Gedanken darüber gemacht, was mich bei einem Praktikum im Landtag erwartet oder warum ich das überhaupt machen will. Aber ich wusste sofort, dass das ist, was mich interessiert.
Ehrlich gesagt habe ich anfangs auch kaum damit gerechnet, dass ich wirklich in den Genuss dieses Erlebnisses komme. Wahrscheinlich nicht für meine Altersgruppe, vermutlich nicht außerhalb des Pflichtpraktikums, möglicherweise zu begehrt.
Und auch als ich nach einem kurzen Gespräch tatsächlich eine Zusage hattte - und auch meine Lehrer zum Teil begeistert zustimmten, war ich mir darüber nicht bewusst.
Kurz: Ich habe nie damit gerechnet, dass ich einen Abgeordneten begleiten darf und dass dieser auch noch so bemüht ist, ergebnisoffen mit mir zu diskutieren, mich nicht nur als seinen Schatten akzeptieren, sondern auch wenn möglich einzubeziehen, sich Zeit zu nehmen, auf mich einzugehen..
Ich hatte keine Ahnung, was mich erwartet.

Wenn ich über meine Beweggründe nachdenke, spielen wohl viele hauptsächlich unterbewusste Faktoren eine Rolle. Ja, ich bin und war schon immer sehr politikinteressiert.
Aber was heißt das schon?
Ich gucke regelmäßig Nachrichten, lese am liebsten den Politik- und Wirtschaftsteil der Zeitung un aboniere zeitweise den Stern, den Spiegel und dauerhaft die Zeitschrift "Fluter" der Bundeszentrale für Politische Bildung.
Naja, und dann diskutiere ich bei jeder Gelegenheit - aber damit nerve ich wohl viele Menschen mehr, als dass es positiv bewertet wird.
Ich glaube, das Beste an dieser viel zu kurzen Woche war, dass ich so viel diskutieren durfte, dass jeder diskutieren wollte, dass mich jeder als gleichwertigen Diskussionspartner begriffen hat - und nicht als streitsüchtigen Teenager ohne Lebenserfahrung.
In diesem Moment lasse ich mich auch gerne überzeugen - schließlich habe ich häufig keine festgelegte Meinung, sondern kenne nur Pro- und Contraargumente und halten sie dagegen. Überzeugte fühlen sich oft persönlich angegriffen, wenn man Punkte entgegen ihrer Ansicht vorbringt.
Dabei möchte ich doch nur einen Austausch von Argumenten! Ich kenne ja auch nicht alle.

Diese offenen Diskussionen haben mich auch an den Versammlungen des SPD-Unterbezirks in Braunschweig fasziniert, und natürlich auch ganz besonders an den Plenardebatten. Ich empfinde es als wichtig, den Positionen der anderen Parteien zuzuhören. Und dabei das "Schubladendenken" zu verlassen also auch Gegenargumente objektiv zu beurteilen und zu bedenken.

"Mein" Abgeordneter hat mich hier besonders überrascht. Weil er sich diese Objektivität ein Stück weit bewahrt hat, weil er keine Feindschaften zu Politikern anderer Parteien hegt, weil er sogar der Meinung seiner eigenen Partei widersprechen kann - und sich freut, wenn ich ihm widerspreche!

Ich muss zugeben, dass ich vor dieser Woche nicht viel über unsere Landespolitik wusste. Zu meiner Rechtfertigung muss ich aber auch sagen, dass sehr wenig darüber berichtet wird. Obwohl wirklich viel auch entschieden wird, interessante Themen behandelt werden, die die Menschen doch betreffen und bewegen müssen. Dieses Transportieren ihrer Botschaften, Vorstöße, Erfolge ist wohl eine der schwierigsten Aufgaben eines Abgeordneten. Und sein Fehlen unterstützt die allgemeine Politkverdroßenheit: "Die machen doch eh nix." - Falsch!
Engagierte Abgeordnete machen sogar so viel, dass ich die Diskussion über faule , überbezahlte Politiker nicht nur unverständlich finde, sondern entschieden zurückweisen muss. Wer sich für familienfreundliche Politik einsetzt, aber selbst weit davon entfernt ist, kann wohl ohne Zögern als engagiert bezeichnet werden. Und mancher mag`s kaum glauben, aber die bewegen damit auch noch wirlich etwas!

Nach diesem Praktikum - also schultheoretische Politik in die Realität übertragen - erwarrten jetzt wohl alle, besonders die, die mir ihre Zeit gewidmet haben, zu Recht ein Statement, inwiefern sich nicht nur mein Horizont, sondern auch mein (politisches) Handeln verändern wird.
Um ehrlich zu sein, weiß ich das noch nicht so genau.
Mein Interesse an Politik, meine Neugierde, meine nebenschulischen redaktionellen Tätigkeiten bei einer Tageszeitung haben mich auf den Berufwunsch des Fachjournalisten für Politik und eventuell auch Wirtschaft gebracht. Genau diese Aussicht hindert mich aber auch daran, selbst politisch aktiv zu werden.

Schließlich darf ein Redakteur sich keiner Partei abhängig machen - zumindest nicht ohne seine Glaubwürdigkeit zu verlieren.
Mal ganz davon abgesehen, dass ich auch mit einer Parteimitgliedschaft nicht zu einem "Schubladendenken" übergehen möchte, liegt der Schluss für viele doch nahe. Andererseits habe ich jetzt das Bedürfnis, mich politisch einzubringen, weiter zu diskutieren, weiterzudenken.
Ich weiß aber auch nicht, ob meine Leidenschaft für eine vollberufliche politische Karriere reicht - außerdem ist mir das Risiko zu hoch, keinen Beruf zu haben, weil man als Politiker doch immer nur einen "5-Jahres-Vertrag" hat. Ich glaube auch nicht, dass der direkte der richtige Weg wäre. Außerdem muss sich so eine Leidenschaft auch erst entwickeln. Aber der erste Schritt ist nun mal der Eintritt in eine Partei. Und das ist in meinem Fall genau das Problem.

Vielleicht muss ich diese aufregende Woche mit den vielen neuen Eindrücken auch erst einmal verdauen. Trotzdem hat sie viel bewegt , hat mich bewegt und wird mich weiterhin bewegen.
Und Lösungssuche ist schließlich schon einmal eine äußerst politsiche Aufgabe, die mich beschäftigen wird.