Gedenktafel für Kuno Rieke enthüllt

 

Von links: Kate Grigat, Klaus-Peter Bachmann, Annegret Ihbe

 

Eine Gedenktafel für Kuno Rieke, Präsident und Vizepräsident des letzten Braunschweigischen Landtages, wurde an seinem früheren Wohnhaus Waterloostraße 14 angebracht. Landtagsvizepräsident Klaus-Peter Bachmann erinnerte an das Leben von Rieke und betonte, wie wichtig das Gedenken an ihn sei.

 

Bürgermeisterin Annegret Ihbe begrüßte die zahlreichen Anwesenden zur feierlichen Enthüllung der Tafel, unter ihnen Landtagsvizepräsident Klaus-Peter Bachmann, Prof. Dr. Gerd Biegel, Isolde Saalmann, Kate Grigat, Mitglieder des örtlichen Bezirksrats, von der Stadt Braunschweig Dr. Annette Boldt-Stülzebach (Leiterin des Kulturinstituts) und Daniel Kösters, sowie vor allem Mitglieder der Familie Rieke. Annegret Ihbe erinnerte daran, dass die Idee für die Tafel bereits 2015 bei der Gedenkveranstaltung zum 70. Todestag von Kuno Rieke entwickelt wurde. Genau am 120. Geburtstag von Rieke, der am 15. Juli 1897 in Braunschweig zur Welt kam, konnte die Gedenktafel nun enthüllt werden.

Nach ihr sprach Klaus-Peter Bachmann, der als Niedersächsischer Landtagsvizepräsident quasi ein „Rechtsnachfolger“ von Kuno Rieke ist. Bachmann dankte Professor Dr. Biegel für die Erarbeitung des Textes der Gedenktafel.

Viel zu selten werde an Kuno Rieke erinnert, stellte Bachmann fest, dabei habe er beispielsweise auf die Schulpolitik einen großen Einfluss gehabt, nicht zuletzt als enger Berater von Heinrich Jasper. Rieke übernahm schon in jungen Jahren politische Ämter, als Abgeordneter der SPD, auch als Kreisdirektor in Blankenburg. 1930 war Rieke Präsident des Landtages, danach Vizepräsident, weil die bürgerliche Parteienmehrheit im Landtag verhinderte, dass Rieke als Präsident wiedergewählt wurde, obwohl die SPD stärkste Partei im Landtag war. Das widersprach der sonst immer üblichen und durchaus richtigen Praxis, dass die stärkste Partei die Regierung und den Landtagspräsidenten stellt, erinnerte Bachmann. Das sei ein Tabu-Bruch gewesen.

Rieke teilte das Schicksal vieler Demokraten, die von den Nationalsozialisten verfolgt wurden, und war im Konzentrationslager Dachau interniert, wo er schwer erkrankte und starb. Ministerpräsident Dietrich Klagges von der NSDAP hatte die Freilassung des erkrankten Rieke verhindert, weil Klagges ihn wegen früherer Debatten im Landtag mit persönlichem Hass verfolgte.

Was hätte aus Rieke und anderen Demokraten werden können, wenn sie nicht durch die Herrschaft der Nationalsozialisten ums Leben gekommen wären, fragte Bachmann rhetorisch. Rieke hätte in Niedersachsen nach 1946 Karriere gemacht, meinte er. Das Gedenken an ihn sei wichtig für alle Abgeordneten und darum dankte Bachmann der Stadt herzlich für die Aufstellung der Tafel.

Der Enkel von Kuno Rieke, Dr. Peter Rieke, sprach ebenfalls einige Worte. Er nannte seinen Großvater einen „mutigen Geist“.

 

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Landtagsvizepräsident Klaus-Peter Bachmann (links), Bürgermeisterin Annegret Ihbe (2. von rechts), der Enkel von Kuno Rieke, Dr. Peter Rieke (2. von links, hinten), Prof. Dr. Gerd Biegel (rechts) mit Mitgliedern der Familie Rieke

Kuno Rieke war von Beruf Grund- und Hauptschullehrer, später auch im Landesschulamt tätig, trat 1920 der MSPD bei, war ab 1922 zeitweise Mitglied im SPD-Bezirksvorstand, ab 1924 Abgeordneter im Braunschweigischen Landtag, von 1927 bis 1930 Vorsitzender der SPD-Fraktion, ab Januar 1930 Landtagspräsident, nach der Neuwahl ab 1. Oktober 1930 Vizepräsident, seit Mai 1930 Kreisdirektor in Blankenburg. Rieke floh nach Misshandlungen durch die Nationalsozialisten kurzzeitig nach Dänemark, kam aber zurück und wurde 1935 verhaftet, bald darauf ins Konzentrationslager Dachau gebracht, wo er schwer erkrankte und am 2. März 1945 starb.

Für die Informationen zum Leben von Kuno Rieke danken wir Herrn Prof. Dr. Gerd Biegel.

 

 
 
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